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Felsenburg Neurathen

Rundgang auf der Felsenburg Neurathen

Auf dem Rundgang geben 24 Tafeln Hinweise und Erläuterungen. Geführte Rundgänge können in der Touristinformation Lohmen angefragt werden.

Blick von der Basteiaussicht auf die Felsenburg NeurathenDer Rundgang beginnt bereits vor der Kernburg an der Basteibrücke. Steigen wir von der Bastei aus zu ihr hinab, dann kommen wir links am Felsrand an der Vogeldelle vorbei. An den Felswänden sind Spuren von einstigen Absperrungen in Form von Falzen, die als Widerlager von Balken dienten, sichtbar. Einst mündete hier eine Steiganlage von 487 Stufen, die der Förster Auerswald 1814 hatte anlegen lassen, um den Besuchern der Bastei den Auf- und Abstieg von und nach Rathen zu ermöglichen.

An dem linkerhand abzweigenden Weg zum Ferdinandstein erhebt sich ein kurzer Felsgrat, die „Schanze“. Der Name deutet auf eine Felsbefestigung hin, die vermutlich der Sicherung der bereits im Mittelalter vorhandenen Brückenanlage diente. Diese Brücke war beim Bau der Burganlage aus Baumstämmen errichtet worden und führte, tieferliegend als die jetzige Brücke, vom Jahrhundertturm über den großen Felspfeiler in der Mitte der Schlucht zur Großen Steinschleuder. Dieser mächtige Felsstock, auch „Alte Schanze“ genannt, war im Mittelalter ein Teil der Wehranlage Neurathen.

Nachbildung einer mitteralterlichen SteinschleuderFunktionsprinzip einer historischen Steinschleuder


Auf seiner Gipfelfläche sind noch heute Balkenfalze für die Aufstellung einer Wurfmaschine (Steinschleuder) vorhanden. Mit der katapultähnlichen Schleuder wurden große, über 50 kg schwere Steinkugeln zur Abwehr von Angreifern geschossen. Gefundene Kugeln (zwei davon konnten aus der Elbe geborgen werden) weisen einen Durchmesser von 37 bis 45 cm auf.

Brücke gegenüber vom Verlorenen Turm
Am östlichen Ende der Basteibrücke erhebt sich das Neurathener Felsentor, auch Kleine Steinschleuder genannt. Es ist der eigentliche obere Zugang zu den Wohnräumen der Felsenburg Neurathen. An der Stirnfront sind beiderseits an den Sandsteinwänden Behausungsspuren und mehrere große Falze und Vertiefungen zur Anbringung eines Tores erkennbar. Im Tordurchgang zeigen sich an der linken Seite die schräg aufwärts führenden Schleifrillen von den Seilen der Zugbrücke. Hier im Torraum begann auch der in der Burgenzeit angelegte und benutzte Wehr- oder Umgang. Spuren und Falze an der Außenwand der Mardertelle zeigen deutlich die einstige Wehrgangführung um den Felspfeiler herum.


Die heutige steinerne Basteibrücke wurde in den Jahren 1850/51 erbaut. Sie ersetzte die bereits vorher errichteten hölzernen Brückenbauten.

Grundriss der Felsenburg Neurathen Grundriss
der Felsenburg Neurathen
zum Vergrößern
mit Erläuterungstafeln


Zur Geschichte der Felsenburg

Versuch einer Rekonstruktionszeichnung der Felsenburg NeurathenUnter den mittelalterlichen Burgen der Sächsisch-Böhmischen Schweiz ist die Doppelburg Alt- und Neurathen eine der größten und ältesten Wehranlagen. Sie hat eine Ausdehnung von etwa 700 m und eine Breite von etwa 100 Metern. Über die Gründung der beiden Burgen gibt es keine urkundliche Überlieferung.

Bei den ersten Erwähnungen der Burg Rathen in den Jahren 1261 und 1289 ist auch nicht genau feststellbar, auf welche von beiden Burgen sich die Angaben beziehen. Man nimmt an, auf die tiefer gelegene Burg Altrathen, die auf einem Talsporn über dem Grünbach liegt. Die Urkunde vom 6. Februar 1289 bezeichnet Rathen ausdrücklich als steinerne Burg. Ob die Burgen Alt- und Neurathen in der Mitte des 13. Jahrhunderts miteinander verbunden waren, kann nach dem gegenwärtigen Stand der Forschungen noch nicht eindeutig geklärt werden.

Von dem Vorhandensein zweier Burgen bei Rathen ist erstmals in einer am 6. März 1361 ausgestellten Urkunde die Rede. Die Burgen gehörten damals den böhmischen Herren von Michelsberg. Aus deren Besitz kaufte sie 1406 Hinko Berka von der Duba auf Hohnstein. Aber schon vier Jahre später fiel sie bei der Erbteilung seines Gesamtbesitzes seinem Sohne Benesch zu. Nach den Berka von der Duba war ab 1428 Friedrich von der Oelsnitz Besitzer von Rathen. Da er kein böhmischer Untertan war und die Lehnshoheit der Wettiner anerkannte, geriet er mit den Berka von der Duba in Streit.

Es kam zu Fehden. 1438 eroberte Albrecht Berka von der Duba auf dem Wildenstein Rathen. Aber schon im nächsten Jahr wurde ihm das Beutegut von Friedrich von der Oelsnitz wieder entrissen.

Die Streitigkeiten dauerten einige Jahre an und endeten mit dem Abschluß eines Sühnevertrages.
Mit Hans von der Oelsnitz, dem die Herrschaft Rathen 1466 gehörte, zog das Raubrittertum auf dem Herrensitz ein. Als Lehnsmann des Kurfürsten von Sachsen plünderte und raubte er in den Gebieten, die dem Vogt auf dem Königstein, Brun von der Pforte, unterstanden. Um den Landfrieden zu sichern, sahen sich Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht von Sachsen gezwungen, 1467 gegen den Ruhestörer vorzugehen. Sie ließen die Burg über ein Jahr lang belagern. Dabei gelang es Hans von der Oelsnitz zu fliehen. 1469 wurde die Burg in Brand geschossen. Herr von Oelsnitz versuchte vergeblich, seinen Besitz zurückzuerhalten. Rathen kam 1485 bei der sächsischen Erbteilung an Herzog Albrecht von Sachsen.

Inschrift des "Schwedenraumes"

Mit der touristischen Erschließung der Sächsischen Schweiz Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Bastei schnell zu einem bekannten und beliebten Ausflugziel. Historische Funde im Basteigebiet lassen das Interesse an der Felsenburg neu aufleben.

Die Erforschung und die Rekonstruktion der Felsenburg Neurathen wurden maßgeblich durch die Arbeit des Dresdeners Alfred Neugebauers (1914-2006) geprägt.

Der Textauszug wurde der Boschüre "Felsenburg Neurathen - Kulturdenkmal in der Sächsischen Schweiz" entnommen. Sie können die Broschüre an der Kasse der Felsenburg Neurathen und in der Touristinformation Lohmen für 3,00 € erwerben bzw. online bestellen.